Zukunft passiert
auf dem Land.
Das Institut für Resilienz im ländlichen Raum ist in Annahütte zu Hause — einem Ort im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, mitten in einer faszinierenden Region, die seit Jahrzehnten mit tiefgreifendem Wandel, Schrumpfung und Neuaufbruch umgeht. Genau dieser lebendige Transformationsprozess begeistert uns: Hier forschen wir, hier gestalten wir, hier sind wir.
„Die Lausitz ist kein Problemfall. Sie ist ein Labor. Was hier bereits erprobt und gelebt wird, wird den Rest des Landes in den nächsten Jahren einholen.“
Wir haben diesen Standort ganz bewusst gewählt: Wir wollen nicht aus fernen Metropolen über den ländlichen Raum sprechen, sondern dort arbeiten, wo die spannendsten Zukunftsfragen tatsächlich verhandelt werden. Als Institut verbinden wir wissenschaftliche Forschung auf Bundesebene mit unmittelbarer baulicher und kultureller Praxis vor Ort.
Wir wollen den ländlichen Raum von einer überholten Defizit-Sichtweise befreien. Der Schlüssel liegt in der Resilienz — der Fähigkeit, sich neuen Rahmenbedingungen flexibel anzupassen und schrumpfende Regionen als visionäre Experimentierfelder für eine nachhaltige Postwachstumsgesellschaft zu verstehen.
Wir untersuchen Resilienz nicht abstrakt, sondern als Praxis nah an den Menschen: in Gemeindesälen, auf Plätzen und im Dialog mit engagierten Akteuren.
Wir aktivieren Leerstände, bauen Stadtmöbel und schaffen temporäre Treffpunkte. Kultur braucht keinen Perfektionismus — sie braucht Mut und echte Ko-Produktion.
Als intermediärer Partner unterstützen wir Kommunen bei Förderanträgen, lösen operative Hürden und vernetzen regionale Praxis mit dem nationalen Fachdiskurs.
Rollende Labore für die Region
Der eigens konstruierte mobile Küchenanhänger entfaltet sich an jedem Ort zum temporären Begegnungsort. Frische Zutaten, lebendiges Handwerk und gemeinsame Arbeit bauen Schwellenängste ab und stiften Verbindlichkeit.
Ein bewusster Ort. Eine Region im Aufbruch.
Das IRLR hat seinen Sitz in Annahütte — mitten im Lausitzer Seenland, einer Landschaft zwischen Berlin, Cottbus und Dresden, die wie kaum eine andere in Europa durch tiefgreifende Transformation geprägt wird. Als Gründer haben wir uns ganz bewusst für diesen Wirkungsort entschieden: Die Offenheit der Region, der greifbare Gestaltungsraum und die Dynamik zwischen industriellem Erbe und neuen Zukünften machen die Lausitz für uns zum spannendsten Experimentierfeld zeitgemäßer Raumforschung.
Prof. Dr. Cordelia Polinna
Stadtplanerin und -forscherin (*1975). Studium der Stadt- und Regionalplanung sowie des Urban Design in Berlin und Edinburgh, Promotion und Gastprofessur an der TU Berlin. Langjährige Praxis an der Schnittstelle von strategischer Stadtentwicklung und kooperativen Verfahren — u. a. als Gründungspartnerin von Polinna Hauck Landscape + Urbanism, Forward Planung und Forschung und als Geschäftsführerin der Urban Catalyst GmbH. 2022 gründete sie das IRLR. Seit 2025 ist sie Professorin für Partizipation und Ko-Kreation in der Freiraumentwicklung an der Leibniz Universität Hannover.
Expertin für strategische Raumentwicklung, gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung und Resilienz. Mitglied im Transformationsrat Lausitz und der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL). Ihr Fazit: Nicht die Metropolen erfinden die Zukunft — die ländlichen Transformationsregionen haben längst damit begonnen.
Simon Breth
Architekt und Unternehmer (*1975). Er studierte Architektur- und Stadtplanung in Stuttgart, Nancy und Valladolid. Nach Tätigkeiten bei Polo Villacorta arquitectos (Valladolid) und Heinle, Wischer und Partner (Berlin) gründete er mit Rut de la Calle das Büro brethdelacalle.
Nach dem Erwerb eines stillgelegten Bahnhofsgebäudes schuf er mit dem Musikbahnhof Annahütte einen Kultur- und Bildungsort — lange vor dem Institut, aber aus derselben Haltung heraus. 2020 verlagerte er Lebensmittelpunkt und Büro vollständig in die Lausitz; seit 2020 ist er aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Annahütte. 2022 gründete er gemeinsam mit Cordelia Polinna das IRLR.
Simon bringt Dinge zum Laufen — und testet dabei konsequent aus, was möglich ist, wenn man Experimente wagt und bereit ist, neue Wege auszutesten.
Baufestival Weißwasser & Mitropa 2.0
25 Künstler:innen bauten in zwei Wochen gemeinsam mit Bürger:innen über 20 Stadtmöbel für den Bahnhofsplatz. Der stillgelegte Bahnhof wurde als Mitropa 2.0 wiederbelebt — Vertrauensbildung während der langen Wartezeiten großer Förderprogramme.
Forschung & Theorie
Wir forschen, publizieren und streiten für eine andere Sichtweise auf den ländlichen Raum — evidenzbasiert, mit Relevanz weit über die Lausitz hinaus.
Resilienz im ländlichen Raum — Cordelia Polinna im Gespräch
Deutschlandfunk, Essay und Diskurs
Was bedeutet Resilienz im ländlichen Raum — und warum sind Transformationsregionen wie die Lausitz für den Rest Deutschlands relevanter, als es scheint? Cordelia Polinna spricht im Deutschlandfunk über neue Perspektiven auf das Land, den demographischen Wandel und die Frage, was urbane Gesellschaften von schrumpfenden Regionen lernen können.
Die Kultur der Unvollkommenheit — warum wir wieder zusammen kochen müssen
Essay | Simon Breth und Cordelia Polinna
Was passiert, wenn eine mobile Küche durch zehn Lausitzer Dörfer fährt? Dieser Essay zieht aus dem KochWerk Lausitz grundsätzliche Schlüsse: über Gemeinschaft und Kultur im ländlichen Raum, Improvisation als Zukunftskompetenz — und warum Unvollkommenheit kein Mangel ist, sondern ein Modell.
Was ist Resilienz im ländlichen Raum? Ideen und Ansätze aus der Lausitz
Fachbeitrag | Cordelia Polinna und Simon Breth
Erschienen in Forum Wohnen und Stadtentwicklung (vhw), November/Dezember 2024. Der Beitrag entwickelt fünf Thesen zur Resilienz im ländlichen Raum — von der Notwendigkeit, das städtische Wachstumsparadigma zu überwinden, bis zur Rolle von Rückkehrenden als Change Maker und der Frage, wie überlastete Verwaltungen in Transformationsregionen besser unterstützt werden können.
Raumbilder Lausitz 2050 — Ergebnisse des Planungslabors
Ergebnisbroschüre | Team WOWsitz 2050
Wie kann die Lausitz im Jahr 2050 aussehen? Das Planungslabor des IOER entwickelte vier konkrete Szenarien für eine nachhaltige räumliche Entwicklung der Region. Cordelia Polinna und Simon Breth waren als Teil des Teams WOWsitz 2050 (Urban Catalyst, brethdelacalle, studio amore) an Konzeption und Erarbeitung beteiligt.
Gemeinschaft entsteht durch Machen
Beim gemeinsamen Kochen, Bauen und Essen begegnen sich Rückkehrende, Alteingesessene und Zugezogene auf Augenhöhe. Hier verhandelt sich die Zukunft der ländlichen Räume.
Dokumentierte Projekte
KochWerk Lausitz
Ein rollendes Labor für gemeinschaftliche Esskultur: Der eigens konstruierte mobile Küchenanhänger tourte durch zehn Dörfer der Lausitz, brachte Profiköch:innen und Bürger:innen an langen Tafeln zusammen und machte erlebbar, wie durch gemeinsames Handwerk und regionale Zutaten neue soziale Treffpunkte entstehen.
Zurück in die Zukunft
Was bewirken Rückkehrende in Spremberg und Zeitz? Im Rahmen des BBSR-Projekts »Willkommenssalons« haben wir untersucht, welche Wünsche, Bedarfe und Potenziale Menschen mitbringen, die in ostdeutsche Kohleregionen zurückkehren – und wie sie als Pioniere für Stadtentwicklung unter Postwachstums-Bedingungen wirken.
Picknick & Bauworkshop
Gemeinsames Bauen und Essen als Methode für gelebte Nachbarschaft: In Annahütte entstanden in kollaborativer Selbstbaupraxis offene Holzpavillons und Treffpunkte für den Ort. Handwerk, geteilte Mahlzeiten und das Gespräch auf Augenhöhe verbinden Dorfgemeinschaft, Freiwillige Feuerwehr und Raumpioniere unmittelbar.
Weisswassermachen Parcours
Vom 10. bis 16. Oktober 2022 verwandelte sich der Bahnhofsvorplatz in Weißwasser in eine temporäre Baufabrik. Unter Federführung von Constructlab entstanden 22 modulare Stadtmöbel für Kitas, Vereine und den Stadtraum – begleitet von der temporären Wiederbelebung der Bahnhofsgaststätte als „Mitropa 2.0“.
Dorfhaus Annahütte
An der Glashüttenstraße prägen unbewohnte Mehrfamilienhäuser das Ortszentrum. Im August 2021 sammelten wir beim Open Art Lausitz Festival gemeinsam mit Bewohner:innen Ideen, wie das vorderste Haus belebt werden kann – als Anlaufpunkt für den Krisenfall, zur Verbesserung der Grundversorgung und als sozialer Treffpunkt.
Mitmachen & Kooperieren
Sie forschen zu Demographie, Postwachstum oder Raumplanung? Sie vertreten eine Kommune im Transformationsprozess oder möchten als Initiative, Verein oder Kulturschaffende ein Projekt in der Lausitz verwirklichen? Treten Sie direkt mit uns in Kontakt.
01994 Schipkau OT Annahütte